PKF München

Wirtschaftsprüfung &
Beratung

Werthaltigkeitstest von Beteiligungen

Alle Jahre wieder - Der Werthaltigkeitstest von Beteiligungen bei der Aufstellung des handelsrechtlichen Jahresabschlusses

Bei der Aufstellung des handelsrechtlichen Jahresabschlusses muss sich der Bilanzierende jedes Jahr mit der Frage auseinandersetzen: Sind die bilanzierten Beteiligungen tatsächlich noch ihren Buchwert wert?

Der Gesetzgeber regelt, dass Beteiligungen bei Zugang mit ihren Anschaffungskosten zu bewerten sind. Ist einer Beteiligung am Abschlussstichtag ein niedrigerer Wert beizulegen, so darf eine außerplanmäßige Abschreibung vorgenommen werden; sie muss vorgenommen werden, wenn die Wertminderung voraussichtlich dauernd ist.

In Literatur und Praxis besteht weitgehend Einigkeit darüber, dass der einer Beteiligung am Abschlussstichtag beizulegende Wert i.d.R. aus dem Ertragswert oder einem DCF-Wert abzuleiten ist, wobei beide Werte bei gleichen Bewertungsannahmen übereinstimmen. Die zugrundeliegenden Verfahren basieren auf einem Kapitalwertkalkül, bei dem eine Planungsrechnung mit den erwarteten finanziellen Überschüssen den Zähler bildet und ein zur Beteiligung risikoäquivalenter Kapitalisierungszinssatz im Nenner steht.

Wirtschaftlichkeitsgründe bei der Aufstellung des Jahresabschlusses gebieten es, dass die Beteiligungsbewertung umso „überschlägiger“ ausfallen kann, je deutlicher der Ertragswert den Buchwert der Beteiligung überschreitet. Kommt der Ertragswert dem Buchwert nahe oder droht er ihn zu unterschreiten, sind höhere Anforderungen an die Qualität und den Detaillierungsgrad der Planung, die Modellierung des Kapitalwertkalküls sowie die Herleitung des Kapitalisierungszinssatzes zu stellen.

Bei der Bewertung von Beteiligungen für bilanzielle Zwecke ist ein subjektiver Unternehmenswert aus der Perspektive des bilanzierenden Unternehmens zu ermitteln. Denn Ziel der Bewertung ist die Ermittlung des Schuldendeckungspotenzials der Beteiligung, das mindestens den Buchwert erreichen sollte. Im Rahmen der Ermittlung des subjektiven Unternehmenswerts sind die vorhandenen individuellen Möglichkeiten und Planungen aus der Perspektive des die Beteiligung bilanzierenden Unternehmens zu berücksichtigen (z.B. künftige Investitionsmöglichkeiten, Synergieeffekte, steuerliche Vor- und Nachteile). Die Bewertung der Beteiligung aus Sicht des die Beteiligung bilanzierenden Unternehmens führt auch dazu, dass die von der Beteiligungsgesellschaft zu tragenden Unternehmenssteuern (Gewerbe- und Körperschaftsteuer) sowie die auf die Ausschüttungen an das bilanzierende Unternehmen entfallenden Unternehmenssteuern im Rahmen der Bewertung zu berücksichtigen sind. Außen vor bleiben dagegen die persönlichen Steuern der Anteilseigner des bilanzierenden Unternehmens, da sie das Schuldendeckungspotential der Beteiligung nicht beeinflussen.

Der Kapitalisierungszinssatz soll eine zur zu bewertenden Beteiligung frist- und risikoäquivalente Alternativanlage repräsentieren und setzt sich aus einem risikofreien Zins, dem sogenannten Basiszinssatz, und einem Risikozuschlag, der sogenannten Risikoprämie, zusammen. Die passende Risikoprämie wird ermittelt, indem die Marktrisikoprämie mit einem für die Beteiligung individuellen Risikofaktor, dem sogenannten Beta-Faktor, multipliziert wird. Der Beta-Faktor repräsentiert damit das Verhältnis von individuellem Risiko der Beteiligung und dem Risiko des Gesamtmarktes.

Der Basiszinssatz kann aus Daten der Deutschen Bundesbank auf Basis einer vom Institut der Wirtschaftsprüfer in Deutschland e.V. (IDW) vorgeschlagenen Methode für den Bilanzstichtag bestimmt werden. Zum 30. November 2016 betrug der Basiszinssatz 0,80 %. Die vom IDW derzeit empfohlene für die Beteiligungsbewertung verwendbare Marktrisikoprämie liegt in der Bandbreite von 5,5 % bis 7,0 %. Sie ist konsistent für sämtliche Beteiligungsbewertungen zu verwenden, da der Gesamtmarkt für alle Beteiligungen gleich ist. Zu beachten ist, dass für Auslandsbeteiligungen andere Zinssätze gelten können. Der Beta-Faktor, der 1 entspricht, wenn die zu bewertende Beteiligung das gleiche operative und finanzielle Risiko wie der Gesamtmarkt aufweist, kann überschlägig anhand eines Branchen-Betas oder über eine individuelle Gruppe von Vergleichsunternehmen, eine sogenannte Peergroup, bestimmt werden.

Gerne unterstützen wir Sie bei der Erstellung einer belastbaren Planung, der Entwicklung eines geeigneten Bewertungsmodells und der Implementierung eines Verfahrens zur Vorauswahl der detailliert auf ihre Werthaltigkeit zu testenden Beteiligungen. Auch können Sie stichtagsbezogene Basiszinssätze, Branchen-Betas oder individuelle Peergroups und Beta-Faktoren bei uns erfragen.